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Erbbegräbniskapelle der Fam. Lehndorff in Sztynort, Polen

17.07.2018 16:21 von Daniel Jäger

Am 14. Juli 2018 wurde ein Richtfest der besonderen Art gefeiert: im polnischen Sztynort (dt. Steinort) wurde die Sanierung des Dachstuhls der Begräbniskapelle der Familie von Lehndorff abgeschlossen.

Die Lehndorffs waren seit dem 15. oder 16. Jahrhundert Eigner eines großen Landgutes, auf welchem Schloss Steinort den Lebens- und Arbeitsmittelpunkt bildete. Heinrich Graf von Lehndorff, der letzte Besitzer, wurde wegen seiner Teilnahme am Attentat auf Hitler 1944 von den Nazis ermordet und seine Güter enteignet. Zur Anlage gehörte auch eine 1855 errichtete Kapelle, welche von der Familie als Erbbegräbnisstätte genutzt wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Kapelle geplündert worden, überstand aber erstaunlicherweise die Zeit bis ca. 2010 weitgehend unbeschadet. Trotzdem drang durch die fehlende Dachdeckung der Regen ein und der Frost richtete Schäden am gebusten Netzgewölbe an, der hölzerne Dachstuhl war ebenfalls dem Verfall preisgegeben.

Mit Hilfe einer privaten Spendensammlung, deren Summe aus den Mitteln des BKM verdoppelt wurde, konnte die Notsicherung in Angriff genommen werden, deren erstes Ziel die Wiedererrichtung des Dachs war.

Die Sanierung des Dachstuhls

Zunächst war eine in situ Sanierung geplant, wurde jedoch aufgrund der akuten Einsturzgefahr verworfen, der alte Dachstuhl deswegen Stück für Stück abgebaut und die einzelnen Hölzer auf Schäden und ihre Wiederverwendbarkeit überprüft. Vor dem Rückbau musste noch ein speziell für diesen konstruiertes Gerüst abgebunden und aufgerichtet werden.

Einmal am Boden, transportierte man die Einzelteile auf beschwerlichen, sumpfigen Waldwegen für ihre Bearbeitung zum Schloss Steinort. Dort wurden die geschädigten Segmente der Hölzer entfernt, und denkmalgerecht durch Zufügung neuer Teile ersetzt.

Mittels rechnerischem Abbund wurde der neue Dachstuhl geplant, zur Kontrolle mit einem 3D-Programm konstruiert und die Einzelteile daraufhin für den Abbund ausgegeben. Um die Passgenauigkeit sicherzustellen, bauten die Zimmerleute testweise die beiden horizontal liegenden Teile (Schwellenkranz und Binderkranz) am Boden auf, da es in der luftigen Höhe kaum Platz zum rangieren gab.

Nachdem ein Behelfsgerüst auf der Gewölbeoberseite aufgebaut war, wurden die einzelnen Teile durch das Kuppelauge des Kapellgewölbes hochgezogen und Stück für Stück errichtet. Die 9 Meter langen Gratsparren mussten ausserhalb in die Höhe gebracht werden, da sie - bedingt durch Ihre Länge - nicht in den Innenraum passten.

Der schwere achteckige Kaiserstiel, welcher einen Stahldorn zur Sicherung der gusseisernen Kugel und des Kreuzes enthält, bildet den Abschluss des Dachstuhls. Die Spitze des Kreuzes befindet sich in ca. 22 Metern Höhe.

Großer Dank geht an die Zimmerleute Paul Neumann, Vitus Mändli, Marius Wiener und Malte Urban, welche Abbau, Planung, Sanierung und Wiederaufbau zum Erhalt des Bauwerks geleistet haben. Ebenfalls soll Matthias Hohl für seine tatkräftige Unterstützung gedankt werden.

Jäger Ingenieure unterstützen die Rettung des Schlosses und der Kapelle sowohl personell als auch finanziell.

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